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Interview mit Frau Kob, Pflegeschülerin „ZesS – Zentrum für stationäre Schwerstpflege“

Sandy Kob – „ZesSlerin“ mit Erfahrungsvorsprung

Sandy Kob ist Pflegeschülerin und arbeitet im „ZesS – Zentrum für stationäre Schwerstpflege“ in Burghausen. Im Sommer 2019 schließt sie ihre Ausbildung ab und möchte eine 18monatige Weiterbildung als Fachkraft für Gerontopsychiatrie anschließen. Auch im ZesS geht es für Sandy Kob weiter, dort wird sie ab September stellvertretende Stationsleiterin.

GD: Wie sind Sie ins ZesS gekommen?

Kob: Ich bin in meinem ersten Ausbildungsjahr ins ZesS gewechselt. Das war ein bewusster Schritt. Ich habe mir das ZesS ausgesucht, weil es ein breites Spektrum bietet. Ich wollte praktische Erfahrungen mit Patient*innen sammeln, die beatmet werden oder in der Phase F sind. In der Berufsschule habe ich gemerkt, dass ich als „ZesSlerin“ den anderen etwas voraushabe, weil ich so viel mehr gesehen habe. Diejenigen, die in der Altenpflege tätig sind, hatten noch nie mit einer Beatmungsmaschine gearbeitet oder jemanden mit einem Tracheostoma gepflegt. Wenn in der Ausbildung endotracheales Absaugen geübt wird, kommen viele schon mit der Puppe nicht zurecht und fragen mich: „Wie machst Du das bei einem Menschen?“ Da habe ich einen Erfahrungsvorsprung.

GD: Was würden Sie jemandem raten, der Pflegekraft werden möchte?

Kob: Ich würde nicht jedem empfehlen in die Pflege zugehen, weil das ein Beruf ist, der auch großen persönlichen Einsatz erfordert. Man kann in diesem Beruf nur gut sein, wenn man ihn mit Herzblut ausübt, nur dann erfüllt einen diese Tätigkeit auch mit Freude. Wenn jemand halbherzig dabei ist, hat niemand etwas davon, weder der/diejenige selbst, noch das Team und schon gar nicht die zu Pflegenden.

GD: Was begeistert Sie persönlich an diesem Beruf?

Kob: Für mich ist dieser Beruf alles. Das ist meine zwei-te Ausbildung. Ich habe Chemikantin gelernt und dachte, ein technischer Beruf würde zu mir passen, ich habe dann aber gemerkt, dass das gar nicht der Fall ist. Spontan habe ich dann gesagt: „Ich gehe jetzt in die Pflege!“ Ich habe diese Entscheidung noch nie bereut. Natürlich ist es anstrengend, im Schichtdienst zu arbeiten und es gibt Tage, an denen ich nach Hause komme und abgeschlagen bin, Es ist nicht alles Gold, vieles könnte besser sein, aber der Beruf macht mich persönlich zufrieden.

GD: Was würden Sie sich für das ZesS wünschen?

Kob: Viele, viele Fachkräfte! Das ist das einzige, was uns momentan noch daran hindert, dass das ZesS richtig vorankommt. Unser Team gibt Vollgas und es hat sich in den letzten Monaten so viel entwickelt. Aber ohne Fachkräfte hängen wir unseren Zielen hinterher. Wenn ich in der Schule höre, wie es in anderen Einrichtungen abläuft, stelle ich immer wieder fest, dass wir es im ZesS einfach schön haben. Es kommt ganz selten einmal vor, dass ich einen schlechten Tag habe. Unser Miteinander ist mir viel wert, wir duzen einander und dennoch ist da viel Respekt. Bei der Prüfungsvorbereitung habe ich Mitschüler*innen und ihre Pflegedienstleitungen erlebt und war z. T. erschrocken, wie unpersönlich das Verhältnis war. Das ist bei uns anders, wir kennen einander, tauschen uns aus und reden ganz locker miteinander. Das macht viel aus. Wenn ich z.B. während einer Schicht in einer Situation bin, in der ich mich unsicher fühle, rufe ich einfach Kolleg*innen auf einer der anderen beiden Station des ZesS an und frage um Rat. Ich kann mich darauf verlassen, dass mir da gern jemand hilft.

GD: Sie hatten sich beim Vorentscheid im Frühjahr zum Wettbewerb „Bester Pflegeschüler in der Alten- und Krankenpflege“ 2019 für das Finale qualifiziert. Als eine der besten Pflegeschülerinnen Bayerns reisten Sie nach Berlin und nahmen am 13. und 14. Juni 2019 an den Prüfungen teil. Wie lief der Vorentscheid zum Wettbewerb ab?

Kob: Der Vorentscheid fand in Scheinfeld statt, meine Pflegedienstleitung hat mich dorthin begleitet. Wir Teilnehmer*innen haben 50 Fragen bekommen, die wir mittels multiple choice innerhalb einer Stunde beantworten sollten. Die Fragen waren echt kompliziert. Der Test wurde dann direkt am selben Tag ausgewertet. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich gewonnen habe und saß zur Siegerehrung in der letzten Reihe. Als mein Name aufgerufen wurde, war ich erstmal in einer Art Schockstarre und meine PDL rief: „Das bist DU!“ Wir waren so überrascht. Aus Bayern waren nun drei Teilnehmer*innen zum Bundesentscheid in Berlin, die Anzahl der Teilnehmer je Bundesland wird aus der Größe bzw. Einwohnerzahl des jeweiligen Bundeslandes ermittelt.

GD: Welche Aufgaben wurden Ihnen zum Wettbewerbsfinale in Berlin gestellt?

Kob: Im ersten Teil haben wir Unterlagen zu einem fiktiven Bewohner bekommen, die wir durchgearbeitet haben, um anschließend einen Pflegeplan für diese Person zu erstellen. Danach gab es ein gemeinsames Mittagessen. Nach der Pause erfolgte dann der zweite Teil, der eine praktische Prüfung am Pflegebett und ein Beratungsgespräch beinhaltete. Danach waren alle Teilnehmer*innen zu einer Stadtrundfahrt durch Berlin und zum Abendessen auf dem Fernsehturm eingeladen. Am nächsten Tag gab es eine Gesprächsrunde mit der Pflegewissenschaftlerin Liliane Juchli aus der Schweiz. Wir besichtigten den Bundestag, bevor am Nachmittag im Roten Rathaus die Auszeichnung der Gewinner*innen des Bundeswettbewerbs stattfand. In einem Feedback-Gespräch wurde uns erläutert, was besonders positiv aufgefallen ist oder was vielleicht noch besser klappen könnte. Ich habe einen vierten Platz erzielt, den ich mir mit einigen anderen Mitbewerber*innen teile.

 

Wir gratulieren Sandy Kob ganz herzlich zu dieser ausgezeichneten Leistung und sind stolz auf unsere engagierte Kollegin!

 

Das Interview führte Dr. Lena Panzer-Selz. Es erschien in der GD 45/Juli 2019

Bei der Bayern-Sommerparty war Sandy Kob mit Geschäftsführer Grefenkamp und Kolleg*innen. Ihr wurde ein großer Blumenstrauß überreicht und sie erhielt einen nagelneuen Dienstwagen.