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Das Prinzessinnenhaus in Vogtareuth. Wie ein besonderer Ort für Lebensqualität entsteht

Die PGS Bayern GmbH bereitet ihre neuen Wohngemeinschaften für Menschen mit außerklinischer Beatmung und Intensivpflege vor. Ein ganz besonderes Projekt ist das Prinzessinnenhaus in Vogtareuth.

Im Ortskern von Vogtareuth, einem Dorf im Landkreis Rosenheim in der Nähe des Chiemsees, steht das sogenannte Prinzessinnenhaus. Der Bayerische Rundfunk berichtete bereits über das Anwesen, das seinen Na-men einer arabischen Prinzessin verdankt. Sie kaufte das Haus vor einigen Jahren und plante eine umfangreiche Sanierung. Dazu kam es jedoch nicht, und die Prinzessin ward in Vogtareuth nicht mehr gesehen. Das Haus verfiel, und die Anwohner bedauerten den tristen Anblick im Ortskern ihres Dorfes.

Die Geschichte des Prinzessinnenhauses klingt wie aus einem Märchen. Ein gutes Ende charakterisiert ein Märchen, und die Geschichte des Prinzessinnenhauses ist tatsächlich gut ausgegangen. Es erstrahlt in neuem Glanz. Das Haus wurde von einem Ehepaar ersteigert, das sich viele Gedanken über die zukünftige Nutzung des Gebäudes machte. In dieser Zeit lernten sie Sabine Heberer, Geschäftsführerin der PGS Bayern GmbH, kennen, die gerade auf der Suche nach einem geeigneten Standort für eine neue Intensivpflege-Wohngemeinschaft war. Kurzentschlossen wurde ein gemeinsamer Termin in der Wohngemeinschaft der PGS im nahgelegenen Rosenheim vereinbart und rückblickend sagt He-berer über diesen Besuch: „Mir war es wichtig, ihnen zu zeigen, was wir unter Lebensqualität verstehen, wie wir mit Menschen, die ein Handicap und einen reduzierten Allgemeinzustand haben, umgehen und was es heißt, diesen Menschen die Teilhabe am Leben zu ermögli-chen. Die Eigentümer haben sich viel Zeit genommen. Wir hatten eine Stunde vereinbart, daraus wurden vier, und sie haben uns noch am selben Tag zugesagt, dass sie mit uns zusammenarbeiten möchten. Unser Konzept und unser Anspruch an hervorragende Pflege haben sie überzeugt. Das hat uns unheimlich gefreut, weil wir wussten, dass es zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Mitbewerber mit interessanten Nutzungskonzepten gab.

“Für Heberer und die PGS Bayern GmbH ist die Zusam-menarbeit mit den Eigentümern des Prinzessinnenhauses ein Glücksfall und markiert den Beginn eines wichtigen Zukunftsprojekts. Heberer erläutert: „Die Eigentümer haben Feuer gefangen für die Nutzungs-variante außerklinische Intensivpflege mit der PGS, und das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Planungs- und Bauphasen. Wir stehen in engem Kontakt. Jede Fragestellung, die im Zusammenhang mit der späteren Nutzung als Beatmungs-WG aufkommt, wird bis ins Detail durchdacht. Wir hatten bei der Planung der Grundrisse volles Mitspracherecht und haben diese im Planungsprozess noch zweimal verändert. Das war knifflig, weil es ja ein Bestandsobjekt ist. Sie waren da immer offen und sind mit Herzblut dabei. Das sind traumhafte Bedingungen. Sie möchten z. B. viele Naturmaterialien einsetzen, so haben wir besprochen, dass der Fußboden desinfektionsmittelbeständig sein muss. Danach sind sie sofort mit Herstellern in Kontakt getreten, um etwas Geeignetes zu finden. Dabei legen sie großen Wert auf die Details, die immer in Hinblick auf die Bedarfe der späteren Bewohner ausgewählt werden.“ Das Eigentümer-Ehepaar sorgt in vielerlei Hinsicht für einen guten Start des PGS-Teams in Vogtareuth. So merkt Heberer an: „Es ist auch sehr an der Integration im Dorf interessiert und nehmen an Gemeinderatssitzungen teil, um über den Fortschritt des Projekts zu informieren. Zu diesem Zweck haben sie für das Haus sogar eine Homepage erstellt. Dort kann man die Geschichte des Gebäudes nachlesen.“

Vogtareuth bietet ein ideales Umfeld für die neue Wohngemeinschaft, denn im Ort ist bereits eine Klinik ansässig. Für Heberer ist dieser Standortvorteil wichtig: „Das Dorf hat eine traumhafte Lage und durch die Klinik, die Patienten mit ähnlichen Krankheitsbildern behandelt, wie sie auch bei uns leben werden, ist Vogtareuth schon vorgeprägt. Die Anwohner sind daran gewöhnt, dass es hier Rollstuhlfahrer gibt, die mit ihren Verwandten die Cafés besuchen und auf den Straßen unterwegs sind. Das ist ein unschlagbarer Vorteil, denn wir möchten den Menschen mit ihrem Handicap Lebensqualität geben, und dabei ist es wichtig, dass sie sich auch außerhalb der eigenen vier Wände bewegen können und dort willkommen geheißen werden. Vogtareuth ist klein, aber es gibt Infrastruktur, wie einen Bäcker und einen Metzger, und direkt gegenüber unserer zukünftigen Wohngemeinschaft ist das Wirtshaus mit sehr guter Gastronomie und Fremdenzimmern, sodass Besucher jederzeit hierherkommen können.“

Für zwölf Klient*innen wird das Prinzessinnenhaus ein neues Zuhause. Die neue Wohngemeinschaft für Menschen mit Intensivpflegebedarf soll Anfang Dezember 2019 feierlich eröffnet und direkt von den ersten Bewohnern bezogen werden. Sie leben aktuell noch in einer Wohngemeinschaft der PGS in Feldkirchen-Wes-terham, die vom Prinzessinnenhaus abgelöst werden wird, wie Heberer erklärt: „Diese WG bietet den Klienten keine schönen Aufenthaltsmöglichkeiten. Mir ist bei einer Beatmungs-WG wichtig, dass Angehörige und Freunde gern zu Besuch kommen und nicht nur kurz vorbeischauen. Ich möchte, dass sie sich wohlfühlen und Zeit bei ihren Verwandten verbringen. Wenn die WG schön gestaltet ist, kommen die Angehörigen. In der WG werden die Klienten ambulant betreut. Sie haben das Hausrecht, und dazu gehört auch, dass sie Gäste empfangen können. Die Klienten haben hier wieder die Hausherrenrolle und bestimmen über die Hausregeln. Ich habe erlebt, dass junge Leute nach der Arbeit ihre Mutter besucht haben und bis nachts um 1 Uhr geblieben sind, oder wenn es zu spät geworden ist, mit dem Schlafsack einfach im Klientenzimmer mit übernachtet haben. Das macht Lebensqualität aus. Ich erinnere mich auch an eine ältere Klientin, die jeden Donnerstag Besuch von ihren Freundinnen bekom-men hat. Dann wurde Kuchen besorgt, den sie ihnen anbieten konnte. Sie war dadurch wieder die Gastgeberin. Das ist Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, das ist unser Ziel, und die idealen Bedingungen hierfür bietet das Prinzessinnenhaus.“

Die Wohngemeinschaft im Prinzessinnenhaus verfügt über großzügige Aufenthaltsräume auf jeder Etage. Das gemeinschaftliche Wohnzimmer im Erdgeschoss ist zur Straße hin ausgerichtet, und Sabine Heberer hat schon eine Idee, wie die zukünftige Nutzung geprägt sein könnte: „Ich denke an dieses typische Bild, das es früher gab. Die Bewohner legen sich ein Kissen auf die Fensterbank und schauen, was draußen auf der Straße passiert. Sie können das Treiben im Dorf verfolgen und daran teilhaben.“ Die erste Etage ist mit einer großen Terrasse ausgestattet, die mehr Privatsphäre bietet, und auch im Dachgeschoss gibt es einen Balkon, der es den Klienten ermöglicht, sich barrierefrei an der frischen Luft aufzuhalten. Alle Etagen sind mit dem Aufzug problemlos auch mit Multifunktionsrolli zu erreichen. Ein weiteres Ausstattungshighlight wird eine Badewanne, die sich auf jede Höhe einstellen und flexibel verschieben lässt. Heberer erklärt: „Diese Wanne entspricht voll unseren Anforderungen. Durch Musik kann man Vibration im Wasser erzeu-gen, da sind wir im Bereich der basalen Stimulation. Ich kann also mit dieser Wanne auch auf therapeutischer Ebene mit den Menschen arbeiten. Es ist aber auch einfach mal ein Entspannungsbad möglich, um schöne Momente und Highlights im WG-Leben zu schaffen. Auch das macht Lebensqualität für mich aus: Momente zum Festhalten, die man nicht vergisst. Das muss der Anreiz in so einem Haus sein.“ Die WG soll langsam wachsen, zunächst werden Bewohner im Erdgeschoss und in der ersten Etage einziehen. Das Dachgeschoss möchte Heberer vorerst noch nicht belegen: „Unsere Idee ist es, unter dem Dach Mitarbeiterwohnungen anzubieten. Wenn die WG mit dem Team und den Klienten zu einer schönen Wohngemeinschaft zusammengewachsen ist, können wir das Dachgeschoss mit dazu zunehmen. Vielleicht gibt es Pflegefachkräfte in anderen Regionen, die sich vorstellen können, in das schöne Chiemgau überzusiedeln, und wenn dann noch die Möglichkeit besteht, in einem so wunderschönen Haus zu wohnen, könnte das ein Anreiz sein. Wir freuen uns über jede pflegefachlich qualifizierte Bewerbung für das Prinzes-sinnenhaus. Das Team, mit dem wir starten, ist klein, aber das bietet große Chancen. Hier ist es möglich, den eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten und etwas ganz Neues und Besonderes aufzubauen.“

Das Prinzessinnenhaus ist nicht das einzige große Zukunftsprojekt der PGS. Auch in Traunstein wird gerade die Eröffnung einer neuen WG vorbereitet, die ebenfalls im Dezember 2019 eröffnet wird und für fünf Klienten konzipiert ist. Jedes Zimmer hat Zugang zu einem Balkon, und vom Aufenthaltsraum aus gelangen die Bewohner auf eine große Terrasse, über die man barrierefrei das Haus verlassen kann. Die WG wird in einem Neubau eingerichtet, dessen Bauherr die Firma Greenrock ist. Diese steht für nachhaltige und innovative Immobilienentwicklung. Heberer schwärmt: „Das Konzept des Hauses ist super und der Standort ist ideal, da nebenan die Klinik angesiedelt ist. Das ist für die Klienten optimal.“

Die Synergien, die durch die Zugehörigkeit der PGS zur Deutschen Fachpflege Gruppe entstehen, seien bei der Planung der Wohngemeinschaften immer wieder hilfreich gewesen, betont Heberer: „Die Zusammenarbeit mit der Regionalleitung ist konstruktiv, und ich kann mich mit Geschäftsführerkolleg*innen austauschen. So habe ich z.B. bei Elke Dodenhoff von der AKB auf kurzem Weg angefragt, woher sie die tolle Spezialbadewanne hat. Dieser Erfahrungsaustausch ist unheimlich viel wert, und es lassen sich schneller Netzwerke für alle Unternehmensbereiche aufbauen.“ Für Sabine Heberer ist die PGS gerade „wie ein kleines Start-Up mit einem tollen Spirit. Wir können Pflegekräften ganz viel bieten. Wer sich weiterentwickeln möchte und Potenzial hat, kann das bei uns entfalten. Wir haben keine starre Aufgabenverteilung. Es ist möglich, in neue Positionen und Aufgaben hineinzuwachsen, und dabei begleiten wir im Team. Das macht die PGS lebendig. Die Mitarbeiter*innen spüren, dass hier etwas entsteht, dass sie daran beteiligt sind, und das wiederum ermöglicht ihre Identifikation mit der PGS.“ Mit Sead Palos hat Heberer einen neuen, jungen Kollegen, der das Traunsteiner Team aufbauen und leiten wird. 2018 hat er sein Examen als Pflegefachkraft absolviert und direkt im Anschluss den Basis- sowie den Expertenkurs für außerklinische Intensivpflege abgeschlossen. Heberer schätzt die Zusammenarbeit mit ihm und betont: „Er ist sehr empathisch.“ Gemeinsam mit einer erfahrenen PDL wird er das Team der WG in Traunstein aufbauen. „Wir haben auch bereits eine Pflegekraft mit reichem pflegerischen Erfahrungsschatz, die nochmal was Neues machen möchte, für die Mitarbeit in diesem Team gewinnen können. Sie begeistert unsere Aufbruchstimmung. Nebenbei gibt sie Kurse für Achtsamkeit und Stressbewältigung im Berufsalltag. Das wird für unser Team eine tolle Bereicherung.“

Für Sabine Heberer ist der Teamgeist in der PGS enorm wichtig. Wenn ich als Geschäftsführerin so ein Team habe, das seine Arbeit mit Leidenschaft ausübt, dann ist das etwas ganz Tolles und Besonderes, ein schützenswertes Gut! Ich freue mich, wenn Mitarbeiter*innen ihren Arbeitsplatz selbst gestalten möch-ten und das offensiv angehen. Sie dann zu fördern macht unheimlich viel Freude. Ich habe einen hohen Qualitätsanspruch, diskutiere gern über Arbeits- und Organisationsabläufe und arbeite sachorientiert. Mir ist es wichtig, dass die Menschen gesehen werden, die bei uns tätig sind. Sie begründen mit dieser Arbeit Ihre eigene Lebensexistenz und die Lebensqualität für unsere Klienten. Unsere Mitarbeiter*innen manifestieren die Identität des Unternehmens in ihrem täglichen Tun und Wirken. Wie sollen sich die Menschen bei uns fühlen? Wie gehen wir miteinander um? Wie kommunizieren wir? Diese Fragestellungen dienen der Entwicklung einer Unternehmenskultur und reflektiven Führungsidentität in der PGS Bayern unter meiner Geschäftsführung. Es ist ein hohes Gut, wenn in einem Unternehmen über Fehler und Kritik offen gesprochen wird, um dies als Lernchance im Unternehmen nutzen zu können. Das höchste Ziel ist die Entwicklung einer lernenden Organisation, die sich vom Mitarbeiter über die Führungsebene bis zur Geschäftsführung durchzieht und gelebt wird. Ich erwarte viel von meinen Mitarbeiter*innen. Sie dürfen aber auch von mir viel erwarten.“

Sowohl für die WG im Prinzessinnenhaus als auch für die Traunsteiner WG für Beatmungs- und Intensivpflege freuen sich Sabine Heberer und ihre Mitarbeiter*innen über Bewerbungen von motivierten Pflegefachkräften!

Über die Eröffnungstermine der Wohngemeinschaften und den Tag der offenen Tür im Prinzessinnenhaus informieren wir auf unserer Homepage.

Dieser Artikel wurde in der GD, Ausgabe 46, Oktober 2019, S. 4ff. veröffentlicht.