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Atemtherapie im außerklinischen Bereich

Die Atemtherapie als einer der grundlegenden Pfeiler im therapeutischen Repertoire des lungenerkrankten Patienten (spontanatmend, teilweise oder vollständig beatmet), weist in der tatsächlichen, praktischen Umsetzung weiterhin Lücken auf.

Obwohl die Atemtherapie mit ihren erweiterten Maßnahmen u.a. in der entsprechenden, aktuellsten Leitlinie „Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)“ (1) genannt wird, haben sich lediglich Teilaspekte im außerklinischen Bereich durchsetzen können. In Gesprächen mit Patienten, Angehörigen, Pflegenden, Providern (Leistungserbringern), behandelnden Ärzten und anderen Berufsgruppen (Physiotherapeuten und Atmungstherapeuten) wird die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von atemtherapeutischen Maßnahmen wiederholend positiv bestätigt und der Bedarf aufgezeigt.

Je nach Gesprächspartner und Region (Ballungsraum vs. ländlichem Raum) konnten aber die notwendigen, identifizierten Maßnahmen nur teilweise oder in nicht seltenen Fällen auch gar nicht realisiert werden. Hier fehlte es zumeist am Wissen bezüglich der allgemeinen Therapie-Möglichkeiten (was ist machbar und sinnvoll?), und über die Möglichkeit zur Kostenerstattung/Kostenübernahme durch den Versicherer (Finanzierbarkeit?). Daraus resultieren Fehleinschätzungen, welche Hilfsmittel z.B. im Falle eines tracheostomierten, beatmeten Patienten von der Versorgungspauschale für Tracheotomierte zusätzlich noch für den Bereich der Atemtherapie (soweit sinnvoll) von der Krankenkasse übernommen werden. U.a. fallen in diesen Bereich die sog. oszillierenden positive expiratory pressure (OPEP) Systeme, wie das acapella Choice. Diese sind über eine Hilfsmittelverordnung entsprechend erstattungsfähig und sind nicht in der Versorgungspauschale für Tracheotomierte abgebildet. Auf der Verordnung muss neben der Hilfsmittelnummer (14.24.08.00.06), der Artikelbezeichnung (acapella Choice PEP-Vibrations-Therapiesystem), der Pharmazen-tralnummer (PZN 12387665) auch die medizinische Begründung dargestellt werden (z.B., ICD Code J44.0, zur Behandlung von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen – Sekretolyse). Nur durch eine möglichst detaillierte Verordnung wird sichergestellt, dass der Patient das für ihn bestimmte System auch tatsächlich erhält.

Die Wirkungsweise des lageunabhängig zu nutzenden acapella Choice bewirkt, dass sich die Viskosität des vorhandenen Bronchialschleims verändert. Das Sekret wird vom Patienten besser abgehustet bzw. kann durch die Pflegekraft besser abgesaugt werden. In der Exspiration wird der Ausatemstrom des Patienten über eine Mechanik in Schwingung versetzt, die sich auf das Bronchialsystem überträgt. Der hier stattfindende physikalische Effekt der Thixotropie führt letztlich zu der oben benannten positiven Auswirkung im Bronchialsystem, da u.a. die Sekret-Clearance verbessert wird. Durch die PEP-Therapie des Systems kommt es zu einer Verminderung des bronchialen Kollapses und Eröffnung der peripheren Atemwege, insbesondere in der endexspiratorischen Phase. (2)

Des Weiteren kann die acapella Choice bei trachealkanülierten, spontanatmenden Patienten eingesetzt werden. Die optionale Kombination des acapella Choice mit einem geeigneten Verneblersystem, hat positiven Einfluss auf das Zeitmanagement des Patienten und des Therapeuten, da beide Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden können. Auch wurde bereits eine positive, erhaltende Wirkung „der Zungen-, Lippen -und Wangenmuskulatur“ (3) des Patienten beschrieben, welche sich im Einsatz bei neuromuskulär erkrankten Dysphagiepatienten zeigte. Eine detaillierte, tabellarische Übersicht, welche Einsatzbereiche es für die OPEP-Systeme gibt, finden Sie in den „Empfehlungen zur physiotherapeutischen Atemtherapie“. (4)

(1) C. Vogelmeier, R. Buhl, O. Burghuber, C.-P. Criée, S. Ewig, J. Godnic-Cvar , S. Hartl, F. Herth, P. Kardos, K. Kenn, D. Nowak, K. F. Rabe, M. Studnicka, H. Watz, T. Welte, W. Windisch, H. Worth Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), AWMF.org, 2018

(2) JE Patterson, O Hewitt, L Kent, I Bradbury, JS Elborn und JM Bradly, Acapella versus „usual airway clearance“ during acute exacerbation in bronchiectasis: a randomized crossover trial, Chronic Respiratoy Disease, 2017, 4: 76-74

(3) M.Hapke, Atemtrainer aus Sicht der Logopädie, beatmet leben, 1/2018, S. 36-39

(4) S. Weise, P. Kardos, D. Pfeiffer-Karasch, H. Worth, Empfehlungen zur psysiotherapeutischen Atemtherapie, Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle und Atemwegsliga, 2. Auflage, 2008, 4 ff

Autor: Robert Klein, Fachkrankenpfleger Anästhesie- und Intensivpflege, aktuell: Clinical Field Trainer, Smiths Medical Deutschland GmbH, E-Mail

Der Artikel erschien in GD, Ausgabe 46, Oktober 2019, S. 40 f.